Buch des Monats

Stefan Horvath

KATZENSTREU
Erzählung

edition lex liszt 12, Oberwart 2007

Stefan Horvath

Katzenstreu? Warum heißt das Buch eines Mannes, dessen Sohn bei einem Attentat ums Leben gekommen ist, ausgerechnet „Katzenstreu“?

Der Sockel einer Bombe, die im 4. Februar 1995 fünf Männer aus der Roma-Siedlung in Oberwart aus dem Leben riss, war ein Katzenklo. Ein vordergründig harmloser Behälter für den Tod....
Stefan Horvath versucht in seinem berührenden Buch dem Schmerz der vergangenen Jahre näher zu kommen. Er kriecht in die Köpfe Ewiggestriger am Stammtisch, nistet sich in das Hirn des Bombenbauers Franz Fuchs ein und versucht, dessen Welt zu verstehen. Er geht mit ihm, dem „Bombenhirn“, seinen Weg, der ihn in Isolation und Hass führte, verzweifelt mit den Eltern, die in dem stillen, in sich gekehrten Sohn plötzlich den von einer ganzen Nation gesuchten Attentäter erkennen. Stefan Horvath erzählt von imaginären Begegnungen zwischen ihm und dem Mörder, berichtet von Gesprächen, die nie stattgefunden haben, davon, wie dessen Stimme sich wandelt....die „Rhapsody in Blue“ wird zur „Rhapsody des Todes“. Ein Versuch, die zwei Seiten des Menschen Franz Fuchs darzustellen.

Der Autor begleitet den Attentäter auf dem Weg zu seinem bis ins kleinste Detail geplanten Mord und knüpft dabei immer wieder die Geschichte seines Volkes ein. Das über die Jahrhunderte erlittene Leid verdichtet sich in einem feigen Anschlag in der Nähe einer burgenländischen Kleinstadt.

Ein lesenswertes Buch – wenn auch keine kleine, leichte Sommerlektüre.

Sonja Sieber